Am 27. Mai 2026 nahm uns Dr. Jörgen Welp von der Oldenburgischen Landschaft auf einen spannenden kunst- und kulturhistorischen Rundgang über den Gertruden Kirchhof mit, dem ältesten Friedhofs Oldenburgs und mit der längsten Friedhofsmauer im Oldenburger Land.
Gestartet wurde an der sagenumwogenen Gertruden-Linde, einem Ableger des ursprünglichen Baumes, die an die Unschuld eines Waisenmädchens erinnert. Es folgte ein Blick in die St. Gertruden Kapelle, die ihre Ursprünge im 13. Jahrhundert hat und deren spätmittelalterlichen Fresken die Geschichte der Heiligen Gertrud von Nivelles erzählen. Einer Legende nach wird sie u. a. als Schutzpatronin gegen Mäuse- und Rattenplagen verehrt. Schmunzeln mussten wir auch über den abgebildeten Jesus, der des Plattdeutschen mächtig war.
Kurzweilig erfuhren wir zudem, welche Vorteile eine Schattenschrift auf einem Grabstein oder was es mit den gemauerten Grabkellern auf sich hat und das Hans Christian Andersen während seiner Oldenburg Aufenthalte dem Gertruden Kirchhof regelmäßig einen Besuch abstattete. Ein Blick in das imposante Mausoleum, der Ruhestätte des herzoglich-oldenburgischen Hauses, war uns zwar leider nicht vergönnt. Dafür gab es etliche Geschichten anderer bekannter Oldenburger Persönlichkeiten, die hier ihre letzte Ruhe fanden. So bspw. von dem ersten Dramaturgen am Großherzoglichen Hoftheater, Julius Mosen. In Erinnerung an dessen Heimat ziert seine Grabstelle eine mächtige Vogtland-Tanne, die als Naturdenkmal geschützt ist.
Beim Verlassen des parkähnlichen Kleinods wurden wir am Eingangstor mit dem markanten Spruch (15. Jh.): „O, ewich is so lanck.“ an die Vergänglichkeit allen Lebens erinnert. – Herzlichen Dank, lieber Herr Dr. Welp, für Ihre interessanten Ausführungen an diesem geschichtsträchtigen „stillen Ort“.





